Herzlich Willkommen

Eine Einführung in:
Survivors of Incest Anonymous (Zum Meetings-Beginn)

Wir begrüssen Dich im SIA-Meeting und hoffen, dass Du hier die Zuversicht, Freundschaft und Genesung finden wirst, die wir erfahren durften.

Wir sind eine Selbsthilfe-Gruppe von Frauen und Männern über 18. Wir lassen uns führen von 12 vorgeschlagenen Schritten und 12 Traditionen sowie einigen Slogans und dem Gelassenheits-Gebet. Es gibt keine Mitgliedsbeiträge oder Gebühren. Alles, was hier im Meeting oder untereinander gesagt wird, muss streng vertraulich behandelt werden. Wir haben keine Therapeuten, die in unserer Gruppe arbeiten. SIA ist kein Ersatz für Therapie oder sonstige professionelle Hilfe, wenn diese benötigt wird. Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist, dass Du ein Opfer von sexuellem Missbrauch in der Kindheit bist und gegenwärtig nicht selbst ein Kind missbrauchst. Wir definieren Inzest sehr allgemein als sexuelle Grenzüberschreitung durch ein Familienmitglied oder ein Mitglied des Familienumkreises, die dem Kind Schaden zufügte. Mit "Familienumkreis" meinen wir eine Person, die Du und/oder Deine Familie über einen längeren Zeitraum hinweg gekannt haben. Dies kann ein Familienmitglied sein, ein Freund der Familie, ein Priester, ein anderes Kind oder eine Person, die die Unschuld und das Vertrauen des Kindes missbraucht hat. Wir glauben, dass wir durch den Missbrauch Schaden genommen haben, unabhängig davon, ob er einmal oder öfter geschah, denn der Schaden wird direkt und unmittelbar zugefügt.

Wir lernen in SIA, unsere Verleugnung aufzugeben und dazu zu stehen, dass wir uns den Inzest nicht eingebildet haben und auch in keiner Weise Schuld daran waren. Der Missbraucher wird auf jeden Fall versuchen, die Verantwortung dem schutzlosen Kind zuzuschieben; oft wird er auch noch das Kind anklagen, verführerisch gewesen zu sein. Wir hatten gesunde, natürliche Bedürfnisse danach, geliebt, mit Aufmerksamkeit bedacht und angenommen zu werden; wir bezahlten oft einen hohen Preis, um diese Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, aber wir haben unseren Missbraucher nicht verführt. Körperlichen Zwang anzuwenden, ist bei einem Kind selten notwendig, da das Kind sowieso schon eingeschüchtert ist. Je weniger Gewalt der Übergriff enthielt, zu um so mehr Schuldgefühlen führte dies unangemessenerweise beim Opfer. Wir lernen auch, keinerlei Verantwortung für die Übergriffe zu übernehmen, selbst, wenn sie über einen längeren Zeitraum stattfanden. Einige von uns werden immer noch sexuell belästigt.

In SIA teilen wir unsere Erfahrungen und gemeinsamen Gefühle miteinander. Wir begreifen, dass wir fühlten, wir müssten diejenigen, in deren Obhut wir eigentlich waren, vor diesem schrecklichen Geheimnis bewahren, wie wenn sie daran nicht beteiligt gewesen wären. Wir fühlten uns von den Familienmitgliedern entfremdet, die nicht am Missbrauch beteiligt waren. Oft wird die größere Wut gegen diese gerichtet, denn es ist sicherer, auf Menschen wütend zu sein, die wir als machtlos wahrnehmen. Wir wurden Menschen, die sich vor allem um andere kümmerten, um das Bild einer Idealfamilie aufrecht zu erhalten. Unser Gefühl, von unseren Familien verraten worden zu sein, ist unermesslich groß. Wir müssen den Tod der idealen Familie betrauern, die sich so viele von uns in ihrer Fantasie geschaffen haben.

Indem wir uns mit diesem Schmerz auseinandersetzen, fühlt es sich an, als würden wir Schorf von einer Wunde reißen, die niemals ganz verheilte, - und das tut weh. Es ist jedoch leichter, zu weinen, wenn Du Freunde hast, die Dir helfen, Deine Tränen abzuwischen. Wir können Trost finden - deshalb sind wir hier. Unser Schmerz ist nicht länger vergeblich. Wir werden niemals vergessen, aber wir können mit der Zeit dem Trauergefühl ein Ende setzen, das mit der destruktiven Erinnerung einhergeht. Wir können lernen, nur für Heute, dass wir Inzest-Überlebende sind, eher als Inzest-Opfer.

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